rent-a-guide unterwegs – Nachtlichtführung „Lichtkunstwerk Hütte“

Das mit dem Vorurteilen gegenüber dem Ruhrgebiet ist so eine Sache. Dreckig soll es sein, kaum Grünflächen, dafür immer noch rauchende Schlote. So manch einem scheint der Strukturwandel im „Pott“ entgangen zu sein. Heute ist es vielmehr die Industriekultur, die das Ruhrgebiet prägt. Ein perfektes Beispiel dafür: der Landschaftspark Duisburg-Nord.

Es ist Samstagabend, ein Spätersommertag, der Himmel sternenklar. Direkt beim Betreten des Landschaftsparkes Duisburg-Nord werde ich von der faszinierenden Kulisse eingenommen. Das stillgelegte Hüttenwerk erstrahlt in unterschiedlichen Farben. Ein Lichtspektakel sondergleichen.

Verabredet bin ich mit Christoph Wilmer, der an diesem Abend die „Nachtlichtführung 'Lichtkunstwerk Hütte'“ durchführt. Am Treffpunkt vor dem Besucherzentrum im Landschaftspark Duisburg-Nord hat sich bereits eine Gruppe versammelt. Rund 20 Personen nehmen an der Tour teil. Gästeführer Wilmer fragt zur Begrüßung in die Runde, wer nicht aus dem Ruhrgebiet kommt. Und tatsächlich, es sind sogar Teilnehmer aus Baden-Württemberg dabei. Mir wird derweil schnell klar, was ich vergessen hatte: eine Taschenlampe. Diese empfiehlt sich in jedem Fall mitzunehmen, denn bei der Tour werden auch so manch dunkle Pfade betreten.

Landschaftspark Duisburg-Nord

Es geht aber auch hoch hinauf. Eine eiserne Treppe am Hochofen 5 führt zu einer Besucherplattform in 55 Meter Höhe – und gibt den Blick frei auf die beleuchtete Skyline des Ruhrgebiets. Wilmer deutet in die Richtung des Düsseldorfer Fernsehturms, der bei guter Aussicht zu sehen ist, das Bottroper Tetraeder sowie das Gasometer in Oberhausen. Von hier lässt sich auch die spektakuläre Lichtinszenierung des britischen Künstlers Jonathan Park bestaunen, die bei der Installation im Dezember 1996 weltweit für Aufmerksamkeit sorgte und das beleuchtete Hüttenwerk zu einem beliebten Fotomotiv macht. Auch an diesem Abend bauen zahlreiche Fotografen ihre Stative auf.

Landschaftspark Duisburg-Nord

Wilmer, der zu den rund 30 Gästeführern gehört, die unter dem Dach der Tour de Ruhr GmbH Gruppen durch den Landschaftspark Duisburg-Nord führen, findet bei seinen Erklärungen den richtigen Mix aus fundiertem Fachwissen über die geschichtlichen Hintergründe des Meidericher Hüttenwerkes, der Entwicklung von der Industriebrache zum beliebten Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen und Freizeitattraktionen sowie unterhaltsamen Einwürfen.

Als völlig absurd wurde nach der Schließung 1985 die Idee abgetan, um das Hüttenwerk herum einen Park zu bauen, erklärt uns Wilmer. Vier Jahre später wurde schließlich ein Wettbewerb für Landschaftsarchitekten ausgeschrieben. Im Mittelpunkt stand dabei der Erhalt der Industrieanlage. Dass das Konzept voll aufgegangen ist, zeigt auch die heutige Nutzung des Gasometers, der abends von grünen Neonlicht angeleuchtet wird. „Bereits Anfang der 90er kam die Idee, dass man in dem Gasometer doch tauchen könnte“, erzählt Wilmer. Die Skepsis war zunächst groß und es sollte noch einige Jahre bis zur Fertigstellung des innovativ Tauchzentrums dauern, schließlich mussten erst die scharfen Kanten und vor allem das alte Wasser entfernt werden.

Landschaftspark Duisburg Nord

Überhaupt, Sportbegeisterte kommen im Landschaftspark Duisburg-Nord voll auf ihre Kosten. Die frühere Erzbunkeranlage wird mittlerweile als Klettergarten genutzt. Hier hat auch die Sektion Duisburg des Deutschen Alpenvereins ihr Vereinsheim. Die Gießhalle 2 wird derweil für den Hochseilgarten genutzt. Dem Angebot Wilmers, die Riesenröhrenrutsche ausprobieren, kommt allerdings an diesem Abend keiner nach. Die Tour führt auch an den Bunkergärten vorbei, wenngleich in der Dunkelheit von der vielfältigen Pflanzenwelt nicht so viel zu sehen ist. Hier lohnt sich ein erneuter Besuch im Tageslicht.

Nach fast zwei sehr informativen Stunden gelangen wir wieder zum Startpunkt der Tour. Dem Charme der Industriekultur des Ruhrgebiets ist ganz sicher jeder Teilnehmer erlegen.

Fazit: Das Highlight ist ohne Frage die spektakuläre Lichtinszenierung, die die Hochöfen, Schlote, Rohre und Stahlgerüste in einem beeindruckenden Meer aus Farbe erstrahlen lässt und mit Einbruch der Dämmerung beginnt. Das sogenannte Vollprogramm mit wechselnden Lichtszenen wird freitags, samstags, sonntags und an Feiertagen gezeigt. Im Rahmen der Tour wird aber auch die Industriegeschichte wieder lebendig gemacht.

Hier könnt ihr euch die Tourdetails anschauen und die Führung auch direkt online buchen. Die Tour de Ruhr GmbH bietet auch noch weitere Führungen durch den Landschaftspark Duisburg an, u.a. die „Fackelführung mit dem Hüttenwerker“.

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben