Mein Florenz – Ein Bericht von Susanna Probst

Susanna Probst, geboren in Stuttgart, lebt seit über 15 Jahren in der Toskana und ist dort ausgebildete und staatlich anerkannte Stadtführerin für Florenz und Siena. Die perfekte Qualifikation also, um für unsere Serie „Meine Stadt“ einen Beitrag über Florenz beizusteuern.

SEHENSWERTES

Mein besonderer Tipp ist die Neue Sakristei in der Prinzenkapelle der Medici, die komplett von Michelangelo für die Grablege von Lorenzo dem Prächtigen entworfen und auch zum Großteil selbst gestaltet wurde. Während die Menschen in der Galeria dell'Accademia sich fast gegenseitig auf die Füße treten und kaum Ruhe – oder Platz – bleibt, ein wenig zu verweilen (das Aufsichtspersonal nimmt hier wenig Rücksicht), hat man hier Michelangelo fast für sich alleine. Dieses Highlight der Stadt liegt etwas abseits der üblichen Routen und ist einer meiner absoluten Favoriten!

Aussichtsterasse vor San Miniato al Monte

Aussichtsterasse vor San Miniato al Monte

Während alle Welt vom Aussichtspunkt Piazzale Michelangelo auf die Stadt blickt, empfehle ich die nur 100 Meter entfernte Kirche San Miniato al Monte. Sie ist noch ein bisschen höher und auch hier trifft man kaum andere Touristen und kann die Schönheit fast alleine genießen. Man hat einen herrlichen Blick auf Florenz und das gesamte Arno-Tal, außerdem besichtigt man gleichzeitig eine der ältesten Kirchen in der Stadt mit wunderschönen Mosaiken und Fresken – und das ganz umsonst, denn es gibt keine Eintrittsgebühr.

Oltrarno auf der anderen Arno-Seite beheimatete viele kleine Handwerker, die in ihren winzigen Werkstätten für ihr täglich Brot arbeiten. Hier sieht man Handwerk, wie es langsam ausstirbt und kann häufig sogar direkt bei der Arbeit zuschauen, um so noch besser zu verstehen, mit wie viel Aufwand, Mühe und welch immensen Fähigkeiten die bekannten Künstler ihre Werke hergestellt haben. Zudem bietet Oltrarno mit Santo Spirito und Santa Maria del Carmine mit der Brancacci-Kapelle zwei wunderschöne Kirchen.

Santa Maria Noevella 097

Santa Maria Noevella 097

Die Spanische Kapelle und der Grüne Kreuzgang von Santa Maria Novella ist ein weiteres, verstecktes Highlight, das ich Ihnen nur ans Herz legen kann. Hier erwarten Sie herrliche Fresken von Andrea del Bonaiuto und Paolo Uccello, die kaum jemand besucht. Verweilen Sie im Kreuzgang, so lange Sie möchten und genießen Sie auf den Mäuerchen rund um die Kirche die Ruhe und Stille einer wahren Oase inmitten des Großstadttummels.

AUSRUHEN

Das ist in Florenz gar nicht so einfach, denn es gibt kaum Parks oder Grünflächen in der Stadt, geschweige denn Bänke zum Hinsetzen. Deswegen empfehle ich: Ab zum Palazzo Strozzi, wo in der Renaissance die „panca da via“, die „Bank an der Straße“ angebaut wurde. Hier liegt immer eine Seite im Schatten (im Sommer sehr praktisch!) oder in der Sonne (genau das Richtige im Winter!) und im Innenhof des Palazzo ist ein sehr nettes Café – mit Toilette 😉

Einen weiteren Ruhepol finden Sie mit dem Park des Istituto d'Arte bei der Porta Romana bei den „Scuderie“. Er kostet keinen Eintritt, bietet eine sehr romantische Atmosphäre und liegt abseits der großen Touristenströme.

ESSEN & TRINKEN

Wer sehr gute und typisch toskanische Hausmannskost zu sehr günstigen Preisen genießen will, sollte der Trattoria Pallottino einen Besuch abstatten. Und zum Nachtisch machen Sie dann am Besten einen Abstecher zur berühmten Eisdiele „VIVOLI“, die sich direkt nebenan befindet, denn dort gibt es super leckeres Eis nach alten Original-Rezepten, das direkt vor Ort hergestellt wird.

Panorama

Panorama

Auf der anderen Arno-Seite sollten Sie in der Trattoria La Casalinga („Die Hausfrau“) einkehren, wo der Wirt noch selbst mitbedient und Sie gute, toskanische Küche in rustikaler Umgebung und bodenständiger Atmosphäre genießen können.

Wer Gesellschaft sucht und in das Leben der Einheimischen eintauchen möchte, der sollte dagegen in der Osteria „Buongustaio“ in der Via dei Cerchi speisen, wo auch die Angestellten aus dem Rathaus zu Mittag essen. Hier erlebt man Florenz, wie es früher einmal war. Die Ostarie hat nur mittags geöffnet, es gibt pro Tag nur einige Gerichte und man kann nicht reservieren. Dafür wird man mit anderen an einen Tisch gesetzt, kann sich mit den Einheimischen unterhalten und nebenbei zuschauen, wie in der kleinen Küche gearbeitet wird. Das „Buongustaio“ ist genau das richtige für die kleine Mittagspause zwischendurch, da das Essen super schmeckt, sehr preisgünstig ist und alles sehr schnell geht.

Wer es ganz frisch haben möchte, sollte der Markthalle einen Besuch abstatten, denn hier kann man alles, was die toskanische Küche hergibt, bestaunen und vieles probieren. Ganz nach dem deftigen Geschmack der Florentiner finden Sie hier Innereien, Speck, Bohnen und Würste – aber natürlich gibt es auch Käse und Salami in allen Variationen, frische und getrocknete Tomaten und Steinpilze, Gemüse jeder Art, Obst, Fisch, Fleisch,... An einigen Ständen kann man sich Brötchen mit allem, was das Herz begehrt, belegen lassen. Es gibt Stände mit Pasta und Hauptgerichten, dazu Biertische und Stühle, an denen man sich niederlassen kann. Einige Stände bieten sogar Tische mit Bedienung.

EINKAUFEN

Für die Damen empfehle ich das „Sotto Sotto“ in der Via Pietrapiana. Dort gibt es italienische Marken-Mode, das, was in Florenz wirklich „in“ ist. Es ist das Outlet der bekannten Marken, die hier ihre Ware aus der letzten Kollektion zu absolut günstigen Preisen anbieten

ÜBERNACHTEN

Das „Relais Il Cestello“ auf der anderen Arno-Seite ist sehr empfehlenswert. Es ist ein sehr nettes, kleines, ruhiges Drei-Sterne-Hotel in Familienbetrieb, das nah am Zentrum liegt und vernünftige Preise bietet.

DER BESONDERE TIPP

Kuppel von Brunelleschi Dom Santa Maria Novella 106

Kuppel von Brunelleschi Dom Santa Maria Novella 106

Wenn Sie in Florenz sind, sollten Sie unbedingt auf die Kuppel vom Dom steigen. Der Aufstieg kostet 8,00 Euro pro Person und Sie erwarten 465 Stufen ohne Aufzug – aber die Mühe lohnt sich in jedem Fall! Hier hatte Brunelleschi die Idee der selbsttragenden Doppelschalenkonstruktion, die Michelangelo etwa 100 Jahre später in etwas größerem Maßstab im Petersdom nachgebaut hat. Und wenn man hochsteigt, kann man diese Konstruktion mit eigenen Augen nachvollziehen, denn die Wände sind nicht verputzt. Sie haben kein Interesse an den technischen Details? Macht nichts, denn die Aussicht von oben ist wirklich fantastisch!

VORSICHT

Kaufen Sie Eis niemals in der Nähe der Ponte Vecchio oder anderer großer Sehenswürdigkeiten! Hier kostet allein die Waffel – OHNE Eis – schon 5,00 Euro, das Eis kommt dann noch hinzu. So sind Sie für ein Eis schnell 8 bis 12 Euro los. Zwar müssten die Preise eigentlich angeschrieben stehen, doch sind sie oftmals so versteckt, dass sie niemand sehen kann. Gehen Sie stattdessen lieber ein paar Meter nach links oder rechts in eine Seitengasse, wo die Preise wieder auf ein normales Niveau sinken. Im „Perché no?“ kostet der kleine Becher zum Beispiel nur 2,50 Euro.

BESTE REISEZEIT

Am besten besuchen Sie Florenz im Mai, Juni oder September. Da dies aber natürlich auch alle anderen Touristen wissen, ist es in diesen Monaten auch recht voll. Vermeiden Sie deshalb, wenn Sie können, die Oster-, Pfingst- und Sommerferien. Wer sich sehr für Kunst interessiert und vor allem wegen der Museen nach Florenz kommt, sollte den November als Reisemonat in Erwägung ziehen. Dann gibt es kaum Schlangen, die Preise der Unterkünfte und beim Eintritt sind reduziert und mit ein wenig Glück können Sie an der ein oder anderen Ecke schon einen Glühwein mit gerösteten Marroni genießen.

VERANSTALTUNGEN

Die „Notti Bianchi“, die „weißen Nächte“ mit zahlreichen Veranstaltungen in den Straßen und auf den Plätzen und auch die Geschäfte sind bis in die frühen Morgenstunden geöffnet. Die "Notti Bianchi" finden in diesem Jahr in der Nacht vom 30. April auf 1. Mai statt. Die Stadtverwaltung gibt ca. 1 Monat vorher das genaue Programm bekannt, man kann es unter http://www.firenzenotte.it/articoli/notte-bianca-firenze einsehen.

An Ostern findet das „Scoppio del carro“ statt, ein Feuerwerk, das von einem alten Karren aus abgefeuert wird, der zwischen Dom und Baptisterium steht.

Golf City Florenz heißt es jedes Jahr im Winter, wenn sich die Ponte Vecchio in einen Abschlag verwandelt. Dann gibt es auf dem Arno mehrere Floating-Grüns, die für diese verrückte Golf-Challenge bespielt werden müssen. Im Jahr 2012 waren Golf-Profis aus 16 Ländern in der Stadt, um bei dem verrücktesten Golf-Turnier des Jahres dabei zu sein.

DARUM FLORENZ

Susanna in Florenz

Susanna in Florenz

Ich lebe in Florenz, weil die Kunst mich fasziniert und weil ich es liebe, den Ursprüngen dieser Kunst in der Geschichte auf den Grund zu gehen - wo könnte ich das besser als in Florenz? Kunst und Geld, Macht und Mäzentum sind hier miteinander verknüpft wie in kaum einer anderen Stadt. Das zu ergründen, zu verstehen, dem hinterher zu forschen reizt mich sehr. Dazu gefällt mir die südländische Mentalität, das Leben findet auf der Straße und auf den Plätzen statt. Feste feiert man draußen, nicht zuhause. Und natürlich schmeckt mir auch die Küche und der Wein sehr. Dazu noch Sonnenschein - was will man mehr? Ich habe mein Paradies auf Erden gefunden 🙂

Hier findet ihr Susannas Angebote und alle weiteren Stadtführungen durch Florenz.

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