rent-a-guide unterwegs – Berliner Hinterhöfe: Verfall und Luxussanierung in Berlins Mitte

rent-a-guide unterwegs - Berliner Hinterhöfe: Verfall und Luxussanierung in Berlins Mitte

 

Als klar war, dass es mich an einem Wochenende im Oktober nach Berlin ziehen würde, wälzte ich die vielfältige Auswahl der unterschiedlichsten Berlin Touren bei rent-a-guide, um die passende Tour für mich und meine Familie zu finden. Wir waren alle schon mindestens einmal in der Hauptstadt, die klassische Stadtrundfahrt durch Berlin mussten wir also nicht unbedingt machen. Susannes Tour durch die Berliner Hinterhöfe fiel mir deshalb besonders ins Auge. Wir wollten schließlich alle einmal hinter die Vorderhäuser schauen und wo würde das besser gehen als in den Hinterhöfen. Unsere Tour startete unkompliziert. Treffpunkt war der Hakesche Markt in Berlin Mitte. Unsere Berlin-Stadtführerin Susanne war leicht an ihrer blauen Umhängetasche zu erkennen.

Stadtführerin Susanne im Museum „Blindenwerkstatt Otto Weidt"

Stadtführerin Susanne im Museum „Blindenwerkstatt Otto Weidt"

Wir begannen mit der Erkundung des Haus Schwarzenberg. Hier tat sich schon zu Beginn der Tour der erste krasse Gegensatz auf. Während der Hackesche Markt von schicken sanierten Alt- und Neubauten umgeben ist, zeigt der Hinterhof von Haus Schwarzenberg auf den ersten Blick deutlich Sanierungsbedarf. Dass es sich hier um ein erweitertes Kunstprojekt handelt, sieht man dann aber auf den zweiten Blick deutlich.

Haus Schwarzenberg

Haus Schwarzenberg

Das Haus Schwarzenberg blickt auf eine sehr bewegte Geschichte zurück, schließlich war es unter anderem eine Bürstenfabrik, in der während des zweiten Weltkriegs eine jüdische Familie versteckt wurde. Inzwischen finden hier Künstler einen Ort, an dem sie in einer sehr besonderen Atmosphäre arbeiten können. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.
Das Publikum ist ebenso unterschiedlich wie international, denn nicht nur Kunstliebhaber werden hier fündig, sondern auch Museumsbesucher, Schulklassen und Nachtschwärmer, die im angeschlossenen Club feiern.

Haus Schwarzenberg 2

Haus Schwarzenberg 2

Ganz andere Hinterhöf gibt es in den berühmten Hackeschen Höfen zu sehen. Hier kann man in Kunstgalerien stöbern oder in einem der Cafés verweilen. Auch in diesen Häusern wird gewohnt, doch die Wohnungen sind so beliebt, dass sie nicht auf dem freien Wohnungsmarkt angeboten werden, sondern bereits vorher einen neuen Bewohner finden.

Hackesche Höfe

Hackesche Höfe

Susanne machte uns immer wieder auf kleine Besonderheiten aufmerksam, die uns vielleicht beim Erkunden auf eigene Faust entgangen wären.

Details

Details

Nach den beeindruckenden Hinterhöfen der verzweigten Hackeschen Höfe, landeten wir plötzlich in einer beschaulichen Gegend mit Straßen aus Pflastersteinen, in der man beinahe vergessen konnte, dass wir uns in einer Stadt mit 3,5 Millionen Einwohnern befanden. Wie eine grüne Oase wirkte der Innenhof des St. Hedwig-Hospitals. Dieses katholische Krankenhaus blickt ebenfalls auf eine bewegte Geschichte zurück und kann nicht nur einen idyllischen Hinterhof vorweisen, sondern hat mit Abstand die imposanteste Eingangstür zu bieten, die man in einem Krankenhaus finden kann.

St. Hedwig-Hospital

St. Hedwig-Hospital

Es folgten weitere Highlights wie der Hinterhof mit angeschlossener Bonbon-Manufaktur und Cookie-Automat. Hier ließ uns Susanne gemütlich nach dem perfekten Bonbon für unsere Daheimgeblieben suchen und hatte sogar Tipps parat. Neben Hinterhöfen mit geschichtlichem Hintergrund überraschten uns besonders die Höfe, deren Charme nur die Insider unter den Berlinern kennen. Hinter dicken Toren gibt es vereinzelt weitläufige Parkanlagen mit Liegewiesen und Spielplätzen, die von den Bewohnern der umliegenden Häusern gepflegt werden.

Parkanlage im Hinterhof

Parkanlage im Hinterhof

Den Abschluss der Tour bildete mein persönliches Highlight: Clärchens Ballhaus. Obwohl das ehemals im Hinterhaus gelegene Ballhaus wegen Aufbauarbeiten geschlossen aussah, lotste uns Susanne bis hinauf zum alten Spiegelsaal, wo mehrere Paare ihre Runden auf dem Parkett drehten. Einen derart nostalgischen Ort hätte ich hier keinesfalls vermutet. Hier sollte jeder Berlin-Besucher unbedingt einen Blick hinein werfen.

Clärchens Ballhaus

Clärchens Ballhaus

 

Text und Bilder: © Maren Fischer

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