rent-a-guide unterwegs – Führung durch das antike Rom

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Kolosseum Rom

Wenn im Urlaub in Rom um 6.30 Uhr der Wecker klingelt, kann das nur zwei Gründe haben: Entweder man ist schlau und besucht den Petersdom noch vor den großen Touristenmassen (unbedingt empfehlenswert!), oder es steht eine Führung durch das Antike Rom mit Giancarlo auf dem Programm. Für uns traf an diesem 3. Oktober 2014 letzteres zu und so treffen wir uns pünktlich um 09.00 Uhr mit unserem Guide Giancarlo am Kolosseum.

Von der Via der Fori Imperali zum Forum Romanum

Bereits jetzt ist die Stadt voll von Touristen, die verschiedenen Tour-Gruppen versammeln sich und machen sich in Scharen auf den Weg ins Kolosseum. Doch wir schlagen einen anderen Weg ein. Über die Via dei Fori Imperali, bei der derzeit darüber nachgedacht wird sie zu einer reinen Fußgängerzone zu machen, spazieren wir zum Forum Romanum, wo unsere Führung beginnen wird. Auf dem Weg passieren wir eine Ausgrabungsstätte, an der Giancarlo uns erklärt, dass auch heute noch Archäologen Ausgrabungen im Forum Romanum durchführen. Von dem kostbaren Boden, der hier freigelegt ist, wird allerdings bald nicht mehr viel zu sehen sein. Damit der über 2.000 Jahre alte Stein nicht von den verschiedenen Witterungsbedingungen zerstört wird, wird er mit Planen und Kieseln wieder abgedeckt, sobald alle nötigen Daten erfasst sind.

ehemalige Basilika

Sichtbar wird das an der Basilika, unserer ersten Station im Forum Romanum selbst. Hier erinnern nur Säulenreste an das Gebäude, das früher als Mehrzweckhalle diente. Doch auch hier verbirgt sich unter der braunen Erde eigentlich der Original-Boden der Basilika. Im letzten Jahr wurde im Zuge einer Ausstellung ein Stück des Bodens freigelegt, doch heute ist wieder alles unter Kieseln und Erde verdeckt. Dass wir heutzutage Basilikas vor allem mit Religion in Verbindung bringen, hat übrigens mit der Christianisierung der Römer zu tun. Denn die Christen beten gern gemeinsam - und was würde sich dafür besser eignen, als eine der großen Mehrzweckhallen, die sowieso schon vorhanden war?

Forum Romanum

Von der Basilika aus führt uns Giancarlo in einen Teil des Forums, den er selbst noch nicht kennt. Die Straße dorthin wurde erst am vorherigen Tag eröffnet. Es war bereits vorher klar, doch erst hier wird recht deutlich, wie sehr Giancarlo seinen Beruf liebt. Mit großer Begeisterung sieht er sich mit uns gemeinsam die neu zugänglichen Abschnitte an. An einer, wie wir glauben, kleinen, hüfthohen Mauer ist dann allerdings Schluss. Doch Giancarlo klärt unseren Irrtum auf: Wir stehen nicht etwa vor einer Mauer, sondern sehen hier den Höhenunterschied zwischen dem Niveau der Straße zur Zeit der antiken Römer und zur Zeit des Mittelalters.

Weißer Marmor

Triumphbogen und heutiges Rathaus

Unser Weg führt uns weiter zum Triumphbogen des Kaisers Septimius. Doch vorher zeigt uns Giancarlo noch einen der wenigen Blöcke aus weißem Marmor, die auf dem Weg drappiert sind. Es ist beeindruckend zu sehen, wie filigran die Arbeiten sind, die die Römer aus dem massiven Stein gehauen haben. Ähnlich beeindruckend sind die Reliefs auf dem Triumphbogen, welche die Geschichte des Siegs über die Parther erzählen. Warum die Löcher, die einst die Bronze-Buchstaben der Inschrift trugen, in der vierten Zeile versetzt zu den Buchstaben zu sehen sind, soll an dieser Stelle nicht verraten werden - aber Giancarlo wird euch das sicher mit Freude erzählen!

Forum Romanum

Das heutige Rathaus Roms, das hinter dem Triumphbogen thront, ist ein perfektes Beispiel dafür, wie die Menschen im Mittelalter die alten Gebäude der Antike zu nutzen wussten. Denn während der obere Teil neueren Datums ist (16. Jahrhundert), ist der untere Teil fast 3.000 Jahre alt - und bildete früher die Wand des Tabulariums (Staatsarchivs).

Tempel des Antonius und der Faustina

Tempel des Divus Iuliu & Tempel des Antonius und Faustina

Nach einem kleinen Stopp am Altar vor dem Tempel des Divus Iulius geht es weiter zum Tempel des Antonius und der Faustina, der einst von Antonius für seine von ihm göttlich gesprochene Frau errichtet wurde. Das Hinzufügen einer zweiten Zeile und dem kleinen Wörtchen "et" ermöglichte es, dass nach Antonius' Tod der Tempel sie beide, ihn und Faustina, repräsentierte. Im 11. Jahrhundert wurde der Tempel zur Kirche umgebaut, wodurch das historische Gebäude erhalten werden konnte. Der enorme Höhenunterschied zwischen dem heutigen Weg durch das Forum Romanum und dem Eingang zur Kirche erklärt sich, ebenso wie bei der vermeintlichen Mauer, durch das erheblich höhere Niveau der Straßen im 1. Jahrhundert nach Christus.

im Kolosseum

Das Kolosseum

Anschließend führt Giancarlo uns zum Kolosseum, wo wir zunächst lernen, dass der Eingang LIIII (54) nicht etwa falsch von den Römern beschriftet wurde, sondern vielmehr beide Schreibweisen für die Ziffer 4 (also IIII und IV) gebräuchlich waren. Während wir durch die unterste Etage des Kolosseums zum Aufgang spazieren, fallen uns die zahlreichen Löcher auf, die sich in den Pfeilern und Bogen des antiken Gebäudes befinden. Genau wie im Forum Romanum, wo das einzige original verbliebene Metall eine Tür ist, hat man auch hier im Mittelalter das Metall aus den Steinquadern, das den einzelnen Bausteinen Stabilität gewährleisten sollte, geklaut.

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Außerdem erfahren wir, dass das gesamte Gebäude innerhalb von 10 Jahren errichtet wurde. Es scheint unglaublich angesichts der Größe, doch Giancarlo erklärt, wieso es gar nicht so kompliziert war. Zum einen wurden die einzelnen Bauteile bereits am Steinbruch in die richtige Form gebracht. Zum anderen war die Bauweise bekannt, es existierte bereits ein Theater, das nach demselben Bauprinzip errichtet wurde. Dennoch ist es beeindruckend, wenn man darüber nachdenkt, dass vor fast 3.000 Jahren keine Bagger, Kräne oder Maschinen zur Verfügung standen.

Nach dem Aufstieg entfaltet sich die Arena des Kolosseums in voller Pracht vor uns. Damit sich die Besucher ein wenig besser vorstellen können, wie es damals im Kolosseum aussah, hat man einige Sitzplätze und ein Stück der Arenafläche nachgebaut. Doch der Hauptteil der Arena zeigt die Struktur und die Bauten unterhalb der eigentlichen Arena. Giancarlo berichtet vom täglichen Programm im Kolosseum und wie das Gebäude zu seinem Namen kam. Dies lag nämlich keines Wegs daran, dass das Kolosseum selbst so kolossal groß ist (im Vergleich zum nahegelegenen Circus Maximus ist die Arena auch eher ein Zwerg). Wer diesem Geheimnis auf die Spur kommen will, sollte die Führung allerdings selbst mitmachen!

 

Arena im Kolosseum

Fazit: Giancarlo versteht es, mit seiner lockeren, offenen und freundlichen Art, seine Gäste in den Bann der Geschichte des antiken Roms zu ziehen. Man spürt seine Begeisterung, die er selbst für diese Stadt hegt, in jeder Geschichte, die er erzählt. Die Führung mit einem Umfang von zwei Stunden vergeht wie im Flug. Außerdem lohnt es sich gerade für das Forum Romanum, nicht auf eigene Faust los zu ziehen, denn ansonsten sieht man in der Tat nur "rumliegende Steine" und kann sich nicht wirklich vorstellen, wie es hier früher einmal ausgesehen hat und welche Geschichten hinter jedem Stein stecken. Wer also ein paar Tage in der Ewigen Stadt verbringt, dem ist diese Führung unbedingt ans Herz zu legen!

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