Eine Nachtwächterführung durch Dortmund

Eine Nachtwächterführung durch Dortmund

Historische Touren gibt es in vielen Städten, doch die Nachtwächterführung durch Dortmund ist eine Besondere.

Es ist Freitagabend 19:30 Uhr. Es ist schon dunkel. Laut ertönen Hornstöße vom Adlerturm in Dortmund – der Beginn unserer Tour. Der Nachtwächter bittet uns die Treppen herauf zu seinem Arbeitsplatz, um die Gruppe in Augenschein zu nehmen. Nach der Begrüßung verteilt der historisch gewandete Wachmann einige höchst wichtige Aufgaben an die Besucher: Das „hellste Licht der Truppe“ - der frisch erkorene Lampenträger - muss die Gruppe im Dunkeln beisammen halten und der „Mundschenk“ darf als einziger allen Leuten das Wasser - in diesem Fall Met - reichen.

Der Nachtwächter

Danach kann es auch schon losgehen: Stolz berichtet er uns von der Gründung Dortmunds, durch niemand geringeren als Karl den Großen. Auch wenn es heute kaum noch zu erkennen ist - Dortmund war einst die größte und reichste Stadt Westfalens. Nach der informativen Einleitung bittet der Nachtwächter von Dortmund die Gruppe mit ihm hinabzusteigen ins „sichtbare Dortmunder Mittelalter“. Wir hören gespannt den Anpreisungen des Nachtwächters zu, doch was uns am Fundament des Adlerturms erwartet ist nichts, bis auf ein altes Gemäuer.

Zunächst herrscht tiefes Schweigen. Der Nachtwächter grinst uns an: „Münster und Paderborn können einpacken- wir haben das hier!“ Tatsächlich schlummert hier unten eine kleine Sensation: ein Skelett im Adlerturm und damit ein bis heute ungelöster Kriminalfall aus dem Mittelalter. Gespannt lauschen wir den Worten des Wächters über die Angriffe der Märker, den trotzigen Verteidigungsanlagen, welche die reiche Hansestadt und seine Bewohner schützen sollten. Mehr über die Patrizier, den wohlhabenden Händlern der Stadt, erfahren wir an der nächsten Station, der Berswordthalle.

Nachtwächterführung durch Dortmund Großes Erstaunen - was hat diese moderne Halle mit dem Mittelalter zu tun? Der Nachtwächter öffnet uns die Pforte mit dem elektronischen Türöffner: „Zauberei“. Mit einer Anekdote über den Dortmunder Händler Konrad Klepping, holt er uns zurück in die Stadtgeschichte. Wir wollen an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber es geht um Dortmunds Einfluss in Europa und die Kronjuwelen Englands.

Am nächsten Stopp, der Brauhausstraße, ist im Hintergrund schon der größte Weihnachtsbaum der Welt zu sehen. Das kurze Staunen der Gruppe ausnutzend, widmet sich der Mundschenk seiner Aufgabe. Während des kleinen Umtrunks, berichtet uns der Nachtwärter süffisant, dass es auch hin und wieder bei der Dortmunder Braukunst des Mittelalters zu Todesfällen kam: durch die Beigabe von Tollkirschen und Stechapfel. Na dann Prost!

Wir halten schließlich Einzug auf die Reinoldikirche. Schenkt man den Worten des Nachtwächters Glauben, so sollen die Relikte des heiligen Reinoldus ganz von selbst auf dem Leichenwagen von Köln nach Dortmund gelangt sein. Nicht wie es die Kölner bis heute behaupten: von Dortmundern gestohlen!

Dortmunder Rathaus

Zur nächsten Station müssen wir über den bereits gut gefüllten alten Markt mit seinen zahlreichen Kneipen laufen. Schwer, hier nicht den Anschluss an die Gruppe und den Wächter zu verlieren. Doch dieser ist durch seine Hellebarde (eine lange Stabaxt), die er stets in der Hand hält, gut erkennbar. Auch das hellste Licht der Truppe tut vergnügt sein Übriges, um alle zusammenzuhalten. Angekommen am Trissel, der Dortmunder Variante vom Pranger, erfahren wir alles über das Marktgeschehen im Mittelalter und Wissenswertes über das alte Rathaus.

Über den Marktplatz gelangen wir nun zum Wissstraßentor. Hier erzählt uns der Wachmann eine fesselnde Geschichte von Liebe und Verrat. Außerdem erfahren wir, was ein Scheiterhaufen mit dem westfälischen Fleischgericht Pfefferpotthast gemeinsam hat. Hierbei kann es einem glatt den Magen umdrehen. Doch der Nachtwächter lockert die Stimmung mit einer gezielten Prise schwarzen Humor wieder auf.

Zum Ende der Tour stehen wir vor dem Innenhof der Propsteikirche. Die Kirche sieht ausnahmsweise tatsächlich mittelalterlich aus. Ein guter Ort um die gehörten Geschichten aus dem Dortmunder Mittelalter nochmal bei einem kleinen Schluck Met revue passieren zu lassen. Hier verabschiedet sich der Wächter mit einem letzten „Prost!“ und erneuten Hornstößen.

Der Nachtwächter verabschiedet sich

In der BVB-Stadt steckt also mehr Mittelalter als man denkt. An vielen Orten und Plätzen kann man doch noch wissenswertes über das Mittelalter erfahren. Die Tour bringt einem die Mythen und Legenden der Dortmunder Geschichte auf sehr unterhaltsame Weise näher. Nicht nur Mittelalter-Fans kommen hier auf ihre Kosten.

Ihr habt Geschmack gefunden an den Geschichten des Mittelalters, seid aber selten in Dortmund unterwegs? Auf rent-a-guide haben wir auch Nachtwächterführungen in den verschiedensten anderen Städten.

Text: Federico Böhm & Michelle Müller

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