Berlin Kreuzberg 61: Unterwegs zwischen Luftbrücke und Pädagogenkiez

Berlin Kreuzberg 61: Unterwegs zwischen Luftbrücke und Pädagogenkiez

Eines der bekanntesten Stadtviertel Berlins ist sicherlich das hippe Kreuzberg. Bekannt ist es für Kult, Punk und Randale. Damit kennt man aber nur die halbe Wahrheit, nämlich den ehemaligen Postbezirk „Berlin Kreuzberg SO 36“. Es gibt aber auch ein Kreuzberg jenseits der trendigen Fassade: Kreuzberg 61. Es lohnt sich hier mal einen genaueren Blick drauf zu werfen.

Matthias ist Praktikant be rent-a-guide, doch auch Praktikanten brauchen mal Urlaub und so hat er sich auf nach Berlin gemacht, um mit ein paar Freunden die Stadt unsicher zu machen. Als Fan der alternativen Szene, hatte er Lust das etwas andere Berlin abseits der Sightseeing Busse kennenzulernen.

Stadtführung durch Berlin Kreuzberg 61

Mit einigen Berliner Freunden habe ich mich deswegen zur Stadtführung Berlin Kreuzberg 61 verabredet. Es ist ein grauer Dezembertag mit strömendem Regen. Vielleicht nicht das beste Wetter für einen Ausflug. Dennoch holt unser Guide Tobias uns pünktlich am Treffpunkt, dem Platz der Luftbrücke ab. Mit Mütze, Bart und Regenschirm gewappnet wirkt er sofort sympathisch.

Der Tempelhofer Flughafen

Tempelhofer Feld

Wir suchen uns schnell Schutz vor dem Regen im Eingangsbereich des Tempelhofer Flughafenbaus. Hier legt Tobias auch schon los und wir erfahren was es mit den Postleitzahlen Kreuzbergs und der 61 auf sich hat: Verwaltungschaos. Nach einer knackigen Einführung in Kreuzbergs Geschichte geht es weiter mit der wechselhaften Vergangenheit des Tempelhofer Flughafens. Wir schmunzeln als unser Guide berichtet, dass der erste Flughafen nach nur 6 Jahren wieder abgerissen wurde: zu klein!

Dem Bau von 1928 folgte ein großer unschöner Neubau zur Nazizeit. Erst nach dem Krieg fand der Flughafen zur wahren Bestimmung: als Luftbrücke. Im Kalten Krieg wurden von hier aus die Westberliner per Rosinenbomber versorgt. Heute ist der Flughafen geschlossen und die Rollbahnen sind ein beliebtes Freizeitziel zum Skaten, Grillen und Fußballspielen. Sogar die Hässlichkeit des Flughafengebäudes hat einen Zweck gefunden. Stadtführer Tobias erzählt an dieser Stelle grinsend wie er hier vor Ort als Statist bei den Dreharbeiten zu „Die Tribute von Panem 3“ mitgewirkt hat.

Das frühere Hallische Tor

Hiernach gehen wir hinauf zum Kreuzberg. Der Anstieg dauert ganze fünf Minuten. Auf halber Höhe bleiben wir am schlossartigen Backsteinbau der ehemaligen Schultheiss-Brauerei stehen. Ein passender Ort, um von der weiter zurück liegenden Geschichte des Bezirks Kreuzberg zu erfahren. Umgeben von einer Ringmauer war der Militärbezirk Kreuzberg einstmals eigenständig verwaltet und hieß auch nicht Kreuzberg, sondern war nach dem nächstliegenden Stadttor benannt als Hallesches Tor.

Den Namen „Kreuzberg“ erhielt der Bezirk erst 1821 durch das Nationaldenkmal zu den Befreiungskriegen, auf dem ganz oben ein eisernes Kreuz angebracht ist. Das wollen wir uns dann auch aus der Nähe ansehen. Leider peitscht uns der kalte Regen schnell wieder vom Gipfel. Trotz des Wetters ist die Aussicht von hier oben großartig. Schnell noch ein Foto mit Guide und Aussicht über Kreuzberg und dann geht es weiter. Es geht vorbei an einem künstlich angelegten Wasserfall, der vor einiger Zeit überschäumte und die anliegenden Straßen überflutete. Jemand hatte wohl Waschpulver hinein geworfen, lacht Tobias. Kreuzberger-Humor.

Pranchtvolle Villen neben DDR-Fassaden

Berliner Kiezkultur

Zu Fuße des Kreuzbergs findet sich ein Villenviertel der Jahrhundertwende, das wir uns als nächstes ansehen. Die Villen aus der Kaiserzeit wurden zum Teil in DDR-Zeiten entstuckt, damit Sie besser zum Architektur-Konzept des Sozialismus passten. So reihen sich hier prächtige Kaiserzeitvillen und schlichte DDR-Fassaden aneinander. Das verleiht diesem Viertel nicht nur den Hauch der Geschichte, sondern auch einen ganz besonderen Charme. Ein paar Schritte weiter liegt Riehmers Hof, ein frisch restaurierter Innenhof, ebenfalls mit reichen Verzierungen. Ebenfalls einen Blick wert. Um die Nutzung der Gründerzeit-Häuser in Kreuzberg wird bis heute stark gestritten, zwischen künstlerischer Nutzung und Luxus-Lofts.

Der "Pädagogen-Kiez"

Gegenüber von Riehmers Hof sieht man das Rathaus von Kreuzberg. Hier hören wir noch einige Geschichten über den berühmten Kreuzberger Bürgermeister Texas-Willy und wie er in Cowboy-Montur für die Stadtkassen kämpfte. Sehr beeindruckend. Unsere letzte Station ist schließlich die Gegend um die Bergmann-Straße, auch scherzhaft „Pädagogen-Kiez“ genannt. Die Bewohner dieser Gegend waren laut unserem Guide vorwiegend akademisch/bürgerlich geprägt. Sie gründeten Bürgerinitiativen für eine sanfte Renovierung der Häuser und gegen einen Ausverkauf. Nach diesen Erläuterungen, vertreibt uns ein starker Platzregen von der Straße. In einem Café stellen wir uns unter. Da der Regen zentimeterhoch die Straße flutet, beschließen wir an dieser Stelle mit der Tour aufzuhören. Wir sind klatschnass und zufrieden. Dabei ließe sich mit diesem sympathischen Guide noch so viel mehr von Kreuzberg entdecken.

Fazit der Tour durch den Berliner Kreuzberg

Absolut empfehlenswert! Wir haben viel gelacht und viel gelernt. Auf der Tour Kreuzberg 61 sieht man eine Seite von Berlin, die man als Massentourist nicht geboten bekommt. Die Panorama-Aussicht vom Kreuzberg ist fantastisch. Schon bei schlechtem Wetter ist diese Tour eine der besten die ich je gemacht habe, wie mag sie dann erst bei gutem Wetter sein?

Kosten für die Berliner Tour abseits der Massen

Die Führung durch die Kiez dauert ca. 2,5 Stunden. Dafür werden pro Person 16,50€ fällig. Wir finden das lohnt sich wirklich, denn mit Tobias kann man in Berlin wirklich was erleben. Wer lieber wie Mathias eine Führung mit Freunden unternimmt, der kann die Tour auch als Kleingruppe mit maximal 6 Personen für 115,00€ buchen. Für bis zu 25 Teilnehmer, uzahlt ihr nur knapp 200,00€. Vielleicht ist das tatsächlich auch endlich die Alternative zu all den schnöden Stadtführungen, durch die die meisten Besucher Berlins schon auf Klassfahrt geprügelt wurden?!

Text: Matthias Witt

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